Der Sühnevertrag von 1426

Der unter Herzog Wilhelm von Braunschweig ausgehandelte Sühnevertrag zwischen dem Bernburger Fürsten Bernhard VI. und der Stadt Magdeburg aus dem Jahr 1426 regelt die Folgen des „Bernburger Heringskrieges“. Da der Vertrag auch den Austausch aller jener Gefangenen regelt, „de uppe den vorgenanten sundag an beiden syden gefangen wurden“ kann die Urkunde als historisches Zeugnis des Bernburger Heringskrieges gelten.

Der Sühnevertrag hat sich als Bestand des „Anhaltisches Gesamtarchivs“ am Standort Dessau des Landeshauptarchivs Sachsen-Anhalt erhalten. Signatur: Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, Abteilung Dessau, Z 2 Anhaltisches Gesamtarchiv. Urkunden II, Nr. 214 erhalten.

Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Landeshauptarchivs Sachsen-Anhalt.

Bernhard VI. musste darin zwar auf eine Durchsetzung seiner Forderungen verzichten, konnte die Stadt Bernburg jedoch vor dem Zugriff der Verbündeten der Städte Magdeburg und Halle bewahren.

Der Wortlaut der Urkunde aus der Übertragung durch Franz Kindscher (Kindscher, Franz: Zur Fehde des Fürsten Berhard VI. zu Anhalt mit der Stadt Magdeburg 1426 aus Geschichtsblätter für Stadt und Land Magdeburg, 1877 S. 63-65).

„Na godes bord dusend verhunderd in dem sessundetwintigesten jare am dinstage na kyliani hefft de hoehgeboine feste her Wühelm, to Brunszwig unde Luneburg hertoge twisschen dem hochgebornen hern Bernde fursten tu Anhald, herren to Berenborg etc. uppe eyne unde den vorsichtigen wisen luden borgermeystern unde radmannen der alden stad Meydeborg uppe andere syd umbe sodane veyde unde Unwillen, de twisschen on beiden was, gedegedinged:
Tom ersten, dat de vorgenante greve Bernd sodane gud dat he umbe syns toln willen bekumerd unde upgehalden hadde, dem vorgenanten hertogen Wilhelme in syne hand gegeven hefft:
Item umbe sodane dingetal alz de vorgenanten van Meydeborg unde ore frund, de van Halle unde ore frund am sundage na unser frauwen dage visitationis (am 7. Juli 1426) uppe den vorgenanten greven Bernde unde syne undersaten verdinged hebben, des enkunnen de van Meydeborg sick hinder den van Halle nicht mechtigen sodane dingetal gantz los to latende, sunderen se willen sick durch bede willen des vorgenanten hertogen Wilhelms trueliken unde frundligen by den van Halle bearbeyden unde daran bewisen, dat se hopen dat id dem vorgenanten hertogen Wilhelme wol behagen schulle; unde dat steyt uppe de van Meydeborg unde van Halle, wes se den luden, de de dingetal geven scullen, to gude daran don edder weddirkeren willen:
Item scullen alle gefangene de uppe den vorgenanten sundag an beiden syden gefangen wurden, quyt unde unbebeschatted los wesen:
Item de achte unde twintig gulden vor ver tunnen harings, de Hinrick Kopmans greven Bernde gegeven hadde, scal de sulve greve Bernd dem rade to Meydeborg verwissenen uppe sante Mertens dag weddirtogewende:
Item umbe hern Jane van Oberge dat scal stan, alz dat gedegedinged iss, so: wes greve Bernd ora nicht gegeven hebbe, dat he hern Jane dat noch geve unde synen willen darum be make:
Item scullen de van Meydeborg greven Bernde de steynene warde twisschen Berenborg und Gaterszleve van stund wedder inantworden:
Item umbe de warde etc. willen greve Bernd unde de van Meideborg uppe der stede, dar de holtene warde steyt, sick frundligen verdragen umbe eynen steynene vot (Fuß), daruppe man eynen holtenen berchfrede buwen mochte sunder mantel:
Item hedden ok de van Halle unde de ore uppe den sulven dag kercken edder kerckhove verdinged, sodane dingetal scal los wesen; wat se ok uppe kerckhoven edder in kercken genomen hedden, daran willen de van Meydeborg sick by den van Halle, alz se truelikest mogen, bewisen sunder argelist, so, dat id de van Halle utrichten by denyennen, de dat gedan hebben, und wedderkeren, wur se dat utrichten kunnen, sunder argelist:
Item hiruppe liebben de vorgenanten greve Bernd van syner unde der synere wegen unde de van Meydeborg, van Brunszwig, van Halle, van Veithein unde her Jan van Oberge van orere unde der oreren wegen unde aller de durch der vorgenanten willen mit greven Bernde vorgenant to veyde gekommen syn, sick undireynander eyne sone geloved unde gegeven:
Desse degedinge syn gehandeld unde geschen in den jaren unde dage, alz ovene gescreven steyt, in dem clostere to Bergen vor Meydeborg unde des to bekantnisse iss des vorgenanten hertogen Wilhelms ingesegel benedden desse scrifft gedrugkt.“